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Die Erkenntnistheorie (auch Epistemologie oder Gnoseologie) ist ein Hauptgebiet der Philosophie, das die Fragen nach den Voraussetzungen für Erkenntnis, dem Zustandekommen von Wissen und anderer Formen von Überzeugungen umfasst. Dabei wird auch untersucht, was Gewissheit und Rechtfertigung ausmacht und welche Art von Zweifel an welcher Art von Überzeugungen objektiv bestehen kann.

Heikel ist die philosophische Analyse in der Öffentlichkeit etablierter Erkenntnis, da die Erkenntnistheorie mit ihr als Metadiskussion auftritt: Sie hinterfragt die Fundamente anderer Diskussionen. Philosophiegeschichtlich ebenso interessant sind die Argumentationen, bei denen Erkenntnistheoretiker öffentliche Sichtweisen durchaus stützen. Der Gottesbeweis , den die Naturwissenschaft des Jahrhunderts formuliert, wirkt effektiv nicht nur als Untermauerung der Religion, er behauptet indirekt, dass die Offenbarungsreligion erkenntnistheoretisch problematisch bleibt, und bietet die Philosophie als universelle Alternative an.

Über die Grenzen der Erkenntnistheorie wird, drittens, vor allem in der Erkenntnistheorie selbst nachgedacht.

Wittgensteins späte Überlegungen werfen erst hier ihre weiteren Fragen auf. Mit den Überlegungen von Über Gewissheit stellte er am Ende in Frage, dass die Erkenntnistheorie dort beginnt, wo der Zweifel an der Realität einsetzt. Man wüsste gerade einmal praktisch, wie das Spiel Zweifel funktioniere — unterschiedlich je nach Art Sorte des Zweifels das Napoleonbeispiel und unterschiedlich, je nach Situation über die sich die Philosophen mit dem Passanten einigten.

Philosophiegeschichtlich gelesen nahmen die Beispiele eine These des Pragmatismus auf dass Erkenntnis sich praktisch in Situationen bewährt. Sie kehrten sie dabei um: Philosophiegeschichtlich wiederum ging diese Erwägung postmodernen Theorien voran, nach denen es keine geschlossene Weltsicht im sprachlichen Austausch gebe.

Entscheidende Impulse gingen von der Erkenntnistheorie auf die modernen Wissenschaften aus, diese wiederum haben in Europa in den letzten fünfhundert Jahren die Erkenntnistheorie selbst entscheidend mitgestaltet. Einflussreich waren dabei zuletzt vor allem die erkenntnistheoretischen Diskussionen der theoretischen Physik, der Biologie und der Mathematik.

Eine Reihe von Arbeiten der Physik des späten Jahrhunderts markierte den Umbruch der eigenen Fachdebatte in erkenntnistheoretischen Kapiteln, die den Untersuchungen vorgeschaltet wurden. Heinrich Hertz ' Prinzipien der Mechanik in neuem Zusammenhange dargestellt — [11] und mehrere der Bücher Ernst Machs weisen Darlegungen auf, die heute Meilensteine der philosophischen Debatte sind.

Die Methodenkapitel regulärer wissenschaftlicher Arbeiten bleiben demgegenüber zumeist ohne das Wort Erkenntnistheorie zu beanspruchen auf die Rechtfertigung getaner Arbeit ausgerichtet. Sie verbinden dabei die methodologische Reflexion mit welchen Versuchsaufbauten bzw.

Untersuchungen versucht wurde, welchen Nachweis zu führen mit einer Theoriediskussion von welchen grundsätzlichen Annahmen man ausging. Germanistische Arbeiten haben hier Gemeinsamkeiten mit naturwissenschaftlichen im Angebot, die Reichweite der gemachten Befunde zu definieren. Die Debatte der Philosophie nimmt — das ist ihre eigene Methode — in der Regel Abstraktionen vor; man diskutiert an Beispielen.

Man macht im Blick auf die Beispiele Prognosen darüber, wie die Realität beschaffen sein muss, um sich in der Untersuchung so zu verhalten. Die theoretischen Grundannahmen geben im interessanten Fall Forschungsimpulse. Wer die Voraussetzungen eines Arguments, seine Prämissen , in ihren Implikationen versteht versteht, was aus ihnen für die Forschung folgt , soll theoretisch die nachfolgenden Überlegungen ähnlich nachvollziehen können wie eine Rechnung in der Mathematik bei Verständnis der Grundrechenarten.

Die Erkenntnistheorie räumt Autoritäten und Institutionen keine weitere Macht in der Beurteilung von Argumentationen ein. Diskussionsteilnehmer sind allenfalls in der Praxis angehalten zu wissen, wer eine bestimmte Argumentation bereits durchführte. Die Argumentationen selbst werden im Blick auf ihre Logik beurteilt. Setzungen kann man ablehnen, wenn man ihnen grundsätzliche Folgeprobleme nachweisen kann.

Der Austausch findet vor allem im Blick auf Vorannahmen statt. Deren konsequente Analyse zielt auf die jeweilige Letztbegründung , die Begründung, die übrig bleibt, wenn man jede Antwort auf ihre eigenen Annahmen hin befragte. Das Studium der Erkenntnistheorie setzt neben der Bereitschaft, Annahmen systematisch zu befragen, eine historische Beschäftigung mit dem Fach voraus.

Im Feld erkenntnistheoretischer Erwägungen nimmt es eine Frage auf, die ebenso im Höhlengleichnis Platons und bei Descartes diskutiert wurde, um die eingehendere Frage nun auf Einzelaspekte zu richten in der konkreten Konstellation darauf, wie Zweifel im Alltag und unter Philosophen funktioniert und inwieweit beide Bereiche des Zweifels miteinander verbunden sind.

Die Beschäftigung mit Erkenntnistheorie als Fundus von Überlegungen befähigt Diskussionsteilnehmer zu ermessen, worum es mit dem Beispiel geht.

Gleichzeitig wurde die Geschichte der Erkenntnistheorie wie die Literatur- und Kunstgeschichte in den letzten zwei Jahrhunderten der eigene Gegenstand von Interesse an einer Geschichte epochaler Geisteszustände. Immanuel Kant notierte in den er Jahren hier einen entscheidenden Durchbruch für den Beginn der Neuzeit: Der Mensch habe sich dabei im Universum neu verorten müssen.

Forschung der Naturwissenschaft und moderne Erkenntnistheorie hätten die folgenden intellektuellen Durchbrüche ermöglicht. Jahrhundert übernahm die von Kant in den er Jahren angebotene Perspektive und setzte konkurrierende Lesarten der epochalen Errungenschaften und ihrer Bedeutung in der Geistesgeschichte nach. Die gängige Fachgeschichte, die das verursachte, birgt eine Beschränkung auf den westlichen Diskussionsstrang, der in den Wissenschaftsbetrieb westlicher Prägung führte.

Asiatischer Philosophie wird hier zuweilen eine Gegenposition zugestanden, ein grundsätzlich anderes Nachdenken, dem das konfrontative argumentative Spiel fremd blieb und das darum keine vergleichbare Dynamik gewann. Die konventionellen westlichen Geschichtsangebote trennen dabei zumeist Antike , Mittelalter und Neuzeit als Epochen. Tatsächlich lassen sich hier bereits unabhängig von den zu verzeichnenden Theorien Unterschiede in der Organisation der Debatte, in ihrer gesamten institutionellen Aufhängung ausmachen und mit ihnen Eigenheiten der westlichen Entwicklung.

Die historische Perspektive auf Erkenntnistheorie hat im Philosophiestudium vor allem den Vorteil, dass sie es erlaubt, den Wert einzelner Positionen als Antworten und Gegenentwürfe klarer in historischen Debattenzusammenhängen zu erfassen.

Der Kulturraum der Antike — der Raum der Staaten rund um das Mittelmeer — war entschieden pluralistischer als der abendländische, der aus ihm in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten hervorging.

Er brachte zwar eine Vielzahl von erkenntnistheoretischen Angeboten hervor mitsamt einer Debatte, die bei Platon und Aristoteles ihre bis in die Gegenwart laufende schriftliche Fixierung fand, dennoch gewann die Erkenntnistheorie in ihm kein Potenzial, mit dem sie als Grundlage für eine Kultur internationalen wissenschaftlichen Fortschritts dienen konnte.

Sprengkraft gewann das philosophische Projekt erst, als es mit dem Christentum und dem Islam zum Gegenstand eines Geschlossenheit und universelle Bedeutung anstrebenden theologischen Systems wurde, das missionarisch ausgebreitet wurde. Hier unterschied sich das Christentum grundsätzlich vom Judentum, dessen philosophische Debatten ebenfalls kaum internationale Wirkung entfalteten. Religion war im antiken Kulturraum lokal und individuell ausgeprägt.

Einzelne Stadtstaaten verehrten mit lokalen Schwerpunkten Götter, denen man eine besondere Bindung an die Stadt zutraute. Keiner von ihnen bildete dabei eine Organisationsstruktur aus, aus der ein Wissenschaftsbetrieb hätte hervorgehen können. Zentren des Wissens waren namhafte Bibliotheken wie die Bibliothek von Alexandria.

Philosophie wurde ansonsten in Schulen betrieben, den sogenannten Akademien , die insbesondere einer Nachfrage nach rhetorischer Unterweisung Rechnung trugen. Lehrmeister unterrichteten hier den argumentativen Wettstreit als Kunst.

Die Politik Athens und Roms fand in öffentlichen Arenen statt. Die politische Elite trainierte für sie und benötigte für sie Begründungsoptionen, die selbst auf einem Marktplatz noch den Zuhörern einleuchten würden. An den miteinander konkurrierenden Akademien wurden unterschiedliche Theoreme verteidigt und Antworten auf gegnerische gesucht.

Die Debatten blieben allein schon darum bezeichnend mit einer ethischen Überzeugungskunst verbunden. Es gab Naturwissenschaft , doch keine weltweit verbundene Forschung, die sich über neueste Befunde austauschte und ein konsistentes Hintergrundmodell der Realität erzeugte. Roms berühmteste Philosophen waren am Ende bezeichnenderweise allesamt keine Erkenntnistheoretiker nach griechischem Vorbild, sondern Moralisten, Staatsmänner und Rhetoriker.

Roms technologischer Fortschritt basierte auf einem handwerklichen Ingenieurwesen, nicht auf einer brisanten Verquickung von Erkenntnistheorie, Grundlagenforschung und zentral vertretener Weltsicht. Die Angebote griechischer Erkenntnistheorie, die bis heute als grundlegende erkenntnistheoretische Optionen diskutiert werden, verloren tatsächlich noch vor dem Mittelalter an Bedeutung.

Den erkenntnistheoretisch spannendsten Bereich pflegt man unter das grobe Wort vorsokratischer Philosophie zu bringen. Es umfasst mehrere Dutzend Namen, von denen zumeist wenig mehr als die Ortszugehörigkeit und eine oder wenige zentrale Behauptungen überliefert sind, die darauf verweisen, dass hier Schulen gegeneinander antraten in einem Austausch, in dem überregional bekannte Prämissen als Markenzeichen dienten. Einige dieser Positionen muten rückblickend modern an, was vor allem an ihrer Wiederentdeckung in der frühen Neuzeit liegt.

Moderne Philosophie versorgte sich hier mit Repräsentanten radikaler Denkoptionen. Spannend waren für die frühmodernen Naturwissenschaftler die Formulierungen eines potentiell atheistischen Atomismus mitsamt der These, dass die Welt ungeschöpft materiell existierte. Die Leistungen auf dem Gebiet der Geometrie zeugen von einer Faszination an Beweisverfahren, die sich zwar in einem logischen Raum abspielen, offensichtlich jedoch von diesem aus für die sichtbare Welt gelten.

Im Rückblick ist den verschiedenen Theoremen gemeinsam, dass sie, selbst wo sie an moderne Teilchenphysik und ihre Modellbildung erinnern, letztlich keiner Empirie im modernen Sinne entspringen. Praktischen Wert gewannen die theoretischen Erwägungen vor allem über die Mathematik, durch die sie eine stark theoretische Ingenieurwissenschaft inspirierten. Das Nachdenken über mechanische Gesetze, Hebelwirkungen, Kraftübertragung, das bei Archimedes — v.

Die beiden Philosophen der Antike, die das erkenntnistheoretische Nachdenken einige Jahrhunderte später nachhaltig prägten, sind Platon und Aristoteles.

Sokrates behauptete zwar, sich letztlich nur seines Nichtwissens gewiss zu sein — seine Dialoge verleiteten die Diskussionspartner indes fortlaufend zum Ausbau von Systemen, in denen sich am Ende die Widersprüche derart eklatant häuften, dass es klüger erschien, von einer ganz anderen Welt auszugehen: Im Alltag ginge man mit sinnlicher Erfahrung um. Unter dem Einfluss modernen Empirismus ist die Logik des platonischen Nachdenkens nicht immer sofort plausibel.

Die gegenteilige Option behauptet Plausibilität: Die Menschen gewinnen ihr zufolge ihre Vorstellungen von den Dingen aus der Anschauung und der Erfahrung. Platon zweifelt hieran im Blick auf dieses Wesentliche und seine eigene Plausibilität: Man bildet die Idee davon, was ein Mensch ist, nicht wirklich in einer Mischung aus den Menschen, die man sah.

Aspekte einer Idee zeigen sich im menschlichen Denken, sobald eingehender argumentiert wird. Ein Mensch bleibt ein Mensch, wenn er im Koma liegt — Vernunft muss er mithin nicht aufweisen; sein Körper kann durch einen genetischen Defekt beliebig deformiert sein — man geht effektiv davon aus, dass Menschen schlicht von Menschen gezeugt und geboren werden müssen, zeigt sich jedoch auch hier zunehmend flexibel.

Darauf verweist Platon in seinen Dialogen: Menschen verteidigen Konzepte am Ende stets eher mit logischen Argumenten als der Erfahrung, mit Argumenten, die gegenüber der Erfahrung Stabilität gewinnen. Bleibt die Frage, woher die grundlegenden Konzepte bezogen werden, mit denen man über das Wesentliche nachdenkt.

Platons Dialoge legen nahe, dass hier eine zwischen den Menschen bestehende Vernunft es ermöglicht, vernünftige von irrigen Ideen zu trennen. Seine Dialoge führten gleichzeitig in einen Dualismus zwischen einer Welt der Ideen und der faktisch bestehenden Welt, in dem diese hinter den Idealen zurückbleibt, nur eine zufällige und sich dauernd verändernde Realität anbietet, der mit der Sprache gerade deshalb so sicher begegnet wird, da die Sprache und die eigenen Erwägungen eher zum Bereich der Konzepte und Ideen gehören.

Während Platon immensen Einfluss auf die Ideenwelt der Spätantike und des Christentums ausübte, sollte Aristoteles weitaus stärker den Wissenschaftsbetrieb in seiner Organisationsform beeinflussen. Das wird bereits deutlich, wenn man auf die Art textlichen Niederschlags der Überlegungen sieht.

Platon bietet Dialoge, Streitgespräche, in denen Beispiele diskutiert werden. Mit Physik und Metaphysik legte Aristoteles eine grundlegende wissenschaftliche Differenzierung vor, die Platonisches Nachdenken über Ideen und Erscheinungen der Welt einer rationalen Ordnung unterwarfen.

Bestimmend blieb für Aristoteles die Frage nach der Begründung der Idealformen. Seine Schriften liefern Differenzierungen, Definitionen und sie stützende Argumentationen. Die Frage nach der Vollkommenheit ist ein Ordnungsprinzip — die menschlichen Ideen formulieren, so die Prämisse, implizit Gedanken vom perfekten Gegenstand seiner Art. Die wissenschaftlich argumentierende Untersuchung muss erklären können, warum Perfektion jeweils so zu definieren ist.

In dieser Form erwägt Aristoteles ebenso, warum die Kugel die perfekte Form ist, und welche Eigenschaften eine perfekte Tragödie haben muss. Regeln der Produktion entspringen den Darlegungen. Man kann von Aristoteles Linien in die Enzyklopädistik des Mittelalters ziehen wie in die modernen Naturwissenschaften, die mit eigenen Modellannahmen von Atomen und Molekülen Versuchsergebnisse interpretieren. Das moderne Westeuropa verdankt die im Mittelalter einsetzende Aristotelesrezeption dabei dem Kulturkontakt mit Arabien.

Islamische Gelehrsamkeit schulte sich ab dem 9. Jahrhundert an den aristotelischen Schriften. Der wesentlich ältere Zoroastrismus entwickelte hier Einfluss. Philosophisch war hier das Angebot attraktiv, Monotheismus mit einem grundlegenden dualistischen Weltbild zu verbinden. Was auch immer beobachtbar war, war im einheitlichen Interpretationsangebot als Kampf zwischen Gut und Böse zu deuten, als Prozess, in dem sich das Urfeuer von der Finsternis schied, das Geistliche über die Körperwelt siegte, Erkenntnis, gnosis, herstellte — in der Trennung des Geistes von der Materie, wenn man es philosophisch sehen wollte.

Mit dem Beginn des Kosmos waren die Gegenpole in Vermengung geraten. In jedem Weltenlauf musste sich die Erkenntnis wieder Bahn brechen, der Geist wieder zusammenfinden. In jedem einzelnen beobachtbaren Prozess wirkten die nämlichen Kräfte, so das Angebot, das allen Naturvorgängen ein zentrales Prinzip gab. Jahrhundert im Mittelmeerraum als neue Religion ausbreitete, bevor das Christentum ihn verdrängte.

Man konnte auf öffentlichen Diskussionsveranstaltungen am Ende zwischen griechischem Neuplatonismus , aktuellem Manichäismus, diversen Strömungen der Gnostik und dem Christentum argumentieren. Das Christentum hatte sich zwar in einer Abspaltung vom Judentum entwickelt, jedoch im Missionsprozess bereits dessen Anspruch, die Religion eines einzelnen auserwählten Volkes zu sein, umgewandelt in einen universellen Anspruch: Die Erkenntnis Gottes war mit dem Christentum allen Menschen versprochen; der letzte Prozess der Welterklärung hatte soeben begonnen.

Mit Jesus war der Messias, der das Ende des Weltenlaufs ankündigte, soeben aufgetreten. Mit der Ausbreitung in den Raum der griechischen Stadtstaaten nahm die neue Religion die aktuellen philosophischen Kontroversen auf.

Deutlich wird das mit dem Beginn des Johannesevangeliums , das zu Beginn des 2. Jahrhunderts — wohl in Ephesus — auf Griechisch abgefasst wurde und schon in der Eröffnung den Brückenschlag in das Alte Testament zu Gottes Schöpfungsakt wie in die aktuelle philosophische Debatte bot. Sie hatte das Potential, die Philosophien der Antike mit der gnostischen Geschichts- und Weltsicht zu vereinen.

Gelang dies, dann sollte sich jenseits der weltlichen Staaten mit dem Christentum ein neues spirituelles Gemeinwesen vorbereiten, Augustinus schrieb darüber in De civitate Dei — Das Christentum nahm in diesem intellektuellen Siegeszug zwar Gedanken des gesamten Spektrums aktueller Debatten auf.

Es entwickelte dabei jedoch gleichzeitig eine Organisationsstruktur, in der Rom und der Papst das Zentrum bildeten, und von deren Konzilen und kontrovers geführten Kanondebatten zunehmend Macht ausging, konkurrierende Strömungen an den Rand zu drängen. Für die Spätantike ist dieser Verdrängungswettbewerb so bezeichnend wie die Ausdünnung der antiken Wissensbestände.

Die antike Bibliothekslandschaft verlor an Bedeutung, Bücher der Antike wurden nicht länger durch neue Abschriften aktualisiert. Klöster übernahmen die Koordination des intellektuellen Austauschs bei Konzentration auf die Schriften des Christentums; exemplarische Büchervernichtungen schufen am Ende Distanz vom antiken Bildungsgut und führten zu dem Ergebnis, das heute in der Wissenschaft als Bücherverluste in der Spätantike diskutiert wird.

Jahrhundert entfaltete das Christentum seinen eigenen Pluralismus in einer Geschichte der Schismen und Ketzerbewegungen , der mit Konzilen , Debatten zum Bibelkanon und Dogmatisierungen gegengesteuert wurde.

Zwischen den divergierenden Strömungen war von nun an systemimmanent zu verhandeln. Sie drohten mit der Spaltung des Christentums. Die Auslegung einzelner Bibelpassagen musste zentrale Vermittlungsangebote formulieren. Das neue Argumentationsgeflecht sollte bis in das Jahrhundert fortbestehen — die reformatorischen Bewegungen der Neuzeit entwickelten sich aus ihm heraus.

Der islamische und der christliche Kulturraum entwickelten mit dem Ende der Antike ähnliche Organisationsstrukturen, um gleichgelagerte grundlegende Probleme zu lösen: Beide Räume verteidigen eine einheitliche monotheistische Ausrichtung, bei der sie die Schriften des Judentums integrieren.

Beide Räume etablieren Religion über Staatsgrenzen hinweg als universell gültig; das setzt Organisationsformen voraus, die in einzelnen Staaten ähnlich geordnete Strukturen entwickeln sowie Wege des internationalen Informationsaustauschs, die es erlauben, Standards über Grenzen hinweg zu behaupten. Die Antike unterlag am Ende neuen, flexiblen, ganz anders flächendeckenden Machtstrukturen. Das Netz an Klöstern, die Standardisierung von Ausbildungen an Klosterschulen, der Austausch von Mönchen zwischen den Klöstern, der Aufbau von Universitäten, der internationale Reiseverkehr von Studenten — all dies wurde dabei Teil einer Organisationsform, die in der Antike keinen Vorgänger hat.

Herrschaft wurde im neuen Kulturraum neu definiert. Sie ging in ihm nicht mehr von Stadtstaaten aus, sondern von Regenten, die Territorien mit Hilfe ebenso überregional genutzter Machtstrukturen einigten. Das neue System ist die flächendeckende Herrschaft, die Privilegien verteilt, über Stadtgründungen Machtzentren schafft, sich der Religion unterordnet, Universitäten gründet und für die neue universelle Gelehrsamkeit die Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Einheitlichkeit war und ist im neuen System vor allem eine spannende Fiktion. Nach ihr wird in theologisch-philosophischen Seminaren mit einer Anstrengung gesucht, die einen wachsenden Pluralismus der Optionen hervorbringt. Das Gebiet der Erkenntnistheorie stärkte dabei, in seiner Verfassung als allein von Vernunft bestimmtes Forschungsfeld, die Hoffnung auf eine übergreifende Verständigung über Wahrheit.

Das Mittelalter wurde in Nordeuropa wie im arabischen Raum die hohe Zeit der Integration antiker Philosophie in das neuzeitliche, Geschlossenheit, Universalität anvisierende Denken.

Aristoteles wurde kommentiert und zum Kern der philosophischen Auseinandersetzung. Das Gegenteil wird aus Sicht der unter diesem Begriff zusammengefassten Zeit zu sagen sein: Eine eigene Ästhetik durchdrang die Philosophie des Mittelalters: Die Philosophie der Neuzeit übernahm hier letztlich zentrale Zielvorgaben des Nachdenkens: Die entscheidenden Erwägungen, wie mit geschlossenen Weltsystemen in neuer Radikalität zu denken ist, bahnten sich mit spätmittelalterlicher Philosophie an.

Ockhams Rasiermesser ist eines dieser Prinzipien, Vorläufer der positivistischen Denkbewegung. Das Universalienproblem mit seinen Grundpositionen von Realismus , Konzeptualismus und Nominalismus lässt sich von der Scholastik bis in die Gegenwart verlängern.

Die Positionsaufteilung, die für die Moderne bestimmend wurde, hat ihre Wurzeln am Ende in der Epoche, von der im Jahrhundert die dezidierte Distanzierung stattfand. Der Buchdruck, der sich in den er und er Jahren in Europa ausbreitete, sorgte in den Wissenschaften für einen umfassenden Traditionsbruch.

Mittelalterliche Handschriften der klassischen Autoritäten wurden in den Druck gebracht. Die Perspektive auf ihre Werke veränderte sich mit den textkritischen Ausgaben, an denen nun gearbeitet werden konnte. Jede einzelne dieser Ausgaben erreichte als identisch vervielfältigter Text die Kritik in allen europäischen Wissenschaftsstandorten. Wissenschaftliche Journale setzten sich ab dem Jahrhundert als neue Diskussionsplattform durch, und waren ihrerseits grenzüberschreitend lesbar.

Die Konstruktion getreuer Ausgaben des aus der Antike überlieferten Wissens wurde das erste Programm. Die Neuauflagen arbeiteten an der Objektivierung der textlichen Überlieferung und der Annäherung an die verlorenen Originaltexte und schufen historische Distanz. Die Suche nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft wurde im Lauf des Jahrhunderts das Projekt der wissenschaftlichen Debatte.

Ihr trug die wissenschaftliche Fachzeitschrift als aktuelles und die Literaturgeschichte als auf die Vergangenheit gerichtetes Medium Rechnung das Wort Literatur stand noch für die Wissenschaften, nicht für Poesie und Fiktionen.

Auf dem neuen wissenschaftlichen Markt gelang es der Erkenntnistheorie,. Was hier erreicht wurde, ist im Rückblick beträchtlich: Jahrhundert umstrukturiert vom System, in dem es Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie gab, zum neuen System, in dem Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Ingenieurwissenschaften nebeneinander bestanden, Felder zwischen denen die Theologie verschwand, und die allesamt eigene erkenntnistheoretische Grundlagen erhielten.

Man darf den Wandel im Rückblick auf der anderen Seite nicht mit einem Wandel der individuellen Erfahrung gleichsetzen. Zwar wurde mit dem Jahrhundert das kopernikanische Weltbild diskutierbar. Die Erde wird in ihm ein einzelner Planet, der um die Sonne kreist in einem Kosmos, in dem es womöglich zahllose solcher Welten gibt. Doch blieben die Lehrbücher dem alten ptolemäischen Weltbild auch nach der Entdeckung noch treu.

Das neue Modell kam als Zusatzoption ins Angebot; es lieferte Vorteile in der Berechnung von Ereignissen, den Horizont änderte es kaum. Die um vermutete epochale Wende ergibt sich vor allem in der von heute aus betriebenen rückblickenden Suche nach ersten Belegen der Diskussionen; sie deckt sich nicht mit dem, was man bei einem Besuch von Universitäten noch um erlebt hätte.

In den Vorlesungssälen der europäischen Universitäten gaben bis weit in das Jahrhundert hinein theologische Debatten die erkenntnistheoretischen Fragen vor. Die Kirchenhistorie wurde ab der Ort dieser Debatte. Gottfried Arnolds veröffentlichte Unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie wurde darin Meilenstein mit einer Entdeckungsreise hinab bis in die ketzerischen Positionen der Spätantike, die nun aktuelle Erkenntnistheorie inspirierten.

Sie alle fanden unter Vorzeichen der konfessionellen Debatte statt, auch wenn sie zentral die Frage betrafen, wie Staaten in Zukunft das Zusammenleben ihrer Bürger organisierten.

Die meisten heutigen historischen Darstellungen der erkenntnistheoretischen Rückblicke in die Zeit zwischen und pflegen das komplexe Debattenfeld zu lichten und Geschichten zu schreiben, in denen sich das moderne naturwissenschaftliche Denken in einem Siegeszug der Aufklärung durchsetzte.

Tatsächlich konnte man an den Universitäten des Jahrhunderts keine naturwissenschaftlichen Fächer belegen. Einzelne Forschergesellschaften, zumeist Liebhaberkreise, trugen die Experimentalphysik, die Astronomie und die Mathematik bis in das Die Lebensbedingungen veränderten sich durch die Naturwissenschaft erst in den letzten Jahrzehnten des Der Bruch mit der Scholastik setzte im Jahrhundert mit dem Rationalismus ein, einer Strömung, die den scholastischen Streit in seinen Argumentationsstrukturen aufnahm und gerade damit überwinden konnte.

Der bedeutendste Philosoph des späten Jahrhunderts wurde dabei René Descartes , dessen Arbeiten beim Spektrum der Untersuchungsfelder, das hier auf einen einheitlichen Nenner gebracht wurde, bereits eine breitgefächerte Auseinandersetzung einforderten. Theologen, Mathematiker und Naturwissenschaftler mussten sehen, wie sie sich seinen Behauptungen stellten, nachdem er auf brisante Art Materialismus, Überlegungen über Geist und Bewusstsein und einen Beweis Gottes von philosophisch-theologischer Tragweite zusammenführte.

Unter den prominenten Gegenpositionen entwickelte sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in England der Empirismus heraus. Fast noch wichtiger wurde der Eklektizismus , der Ende des Jahrhunderts als Antwort auf die strengen Optionen Mode wurde: Mit dem Beginn des Jahrhunderts wurde Eklektizismus Mode der eleganten, galanten Kreise, die sich der Philosophie als Teilgebiet der belles lettres zuwandten und selbst nicht publizierten, genauso wie der Universitätsdozenten, die eine eindeutige Anbindung an ein System scheuten, jedoch eben die Systeme zur Kenntnis nahmen und sie als verschiedene Denkmöglichkeiten ihren Studenten vorstellten.

Mit dem Eklektizismus etablierte sich am Ende eine eigene Form des Pragmatismus. Macht über die Scholastik gewann der Rationalismus vor allem als eine Philosophie, die Argumentationsformen der theologischen Debatte aufnahm.

Wie die Scholastiker drangen die Rationalisten auf ein Philosophieren in logischen Schlüssen, das idealen Definitionen Schlagkraft einräumt. Thomas von Aquin gab Aristoteles heraus — René Descartes verband seine Philosophie stattdessen mit den Naturwissenschaften, der Mathematik und einem neuen Materialismus. Der Mensch war mit einer Maschine vergleichbar. Die Beweisführungen, die Descartes für die mit Mathematik , Geometrie und moderner Physik übereinkommende Philosophie aufbot, argumentierten vom strengsten Zweifel her.

Diesem widerstand nur ein Faktum: Dass man im Moment des Zweifels noch denkt und demnach existiert: Vollkommenheit lässt Nichtexistenz nicht zu, sie lässt auch keinen Gott zu, der einen in einem Traum verbleiben lässt. Die Welt, die man wahrnimmt, verhält sich wie eine materielle Welt. Nahm man Gott als bewiesen ins Spiel, garantierte er ihre Existenz als genau die materielle Welt, die wahrgenommen wird. Aus der Sicht moderner empirischer Naturwissenschaft ist es erkenntnistheoretisch kaum plausibel darzulegen, wie aus einer Definition Gottes seine Existenz folgen solle und von ihr aus die der materiellen Welt.

Descartes konnte auf der anderen Seite davon ausgehen, dass seine Beweise die theologische Debatte in eine missliche Lage brachten: Das Bekenntnis zu einem betrügerischen und unvollkommenen Gott stand den Konfessionen gegenüber seiner Philosophie nicht zur Wahl.

Mit Thomas Hobbes dagegen taten sich die Kirchenvertreter aller Konfessionen leicht: Seinem Leviathan von , einer Staatstheorie, die mit Seitenblicken auf den englischen Bürgerkrieg den Nachweis führte, dass sich alle Religion im gut organisierten Gemeinwesen der Krone unterordnen müsse, setzte Hobbes ein langes Kapitel Erkenntnistheorie in Auseinandersetzung mit Descartes voran.

Er war bereit, Descartes zu folgen und den Menschen materialistisch zu erklären. Wie der Mensch handelte, egoistisch, das erkläre sich von hier aus — nicht gut noch schlecht, schlicht wie Materie, die ihre Existenz verteidigt, sobald sie begreift, dass sie sie verlieren kann.

War die Erbsünde nicht mehr nötig, um das Handeln des Menschen zu erklären, konnte der Kirche die Aufgabe zugeschrieben werden, diesen Menschen notdürftig in Angst und Schrecken zu halten. Wenn sie eine andere Funktion suchte, bereitete sie dem Gemeinwesen Probleme, das zusehen muss, die Einzelinteressen in Schach zu halten. Hobbes war für alle Parteien inakzeptabel, doch gerade darum einflussreich.

Wollte man ein anderes Menschenbild vertreten, musste man mit Hobbes und der Kirche brechen, die von einer nicht minder rohen menschlichen Grundnatur und einem verderblichen Materialismus ausging. Wollte man der Kirche eine andere Position im Staat zugestehen, musste man es offen tun.

Hobbes legte Argumente vor, von denen man sich nur sicher entfernen konnte, wenn man Grundannahmen in Frage stellen wollte, auf denen Staat und Religion gerade aufbauten. Deutlich wird die missliche Lage, die hier für Vertreter der Religion konstelliert wird, bei Shaftesbury , der die Gegenthese zu Hobbes am Ende wagte und postulierte, dass die bestehende Welt die beste aller möglichen sei, da Gott nur eine solche Welt schaffen konnte.

Hobbes und die Kirchen hätten, so Shaftesbury, ein falsches Bild von der Natur des Menschen gezeichnet: Der Mensch strebe nach Harmonie mit der gesamten Schöpfung. Gerade das müsse man mit Erkenntnistheorie erklären: Es könne nur der Effekt der gesamten staatlichen und kirchlichen Erziehung sein, die den Menschen mit Belohnungen und Strafen bändigte, um hier Macht zu gewinnen.

Die gute Natur werde durch die gegenwärtige Form der Machtausübung verdorben. Die Erwägungen waren erneut rationalistisch. Sie gingen von Prämissen aus, und schlossen von ihnen auf die Realität.

Sie vertraten ihre Konfessionen als gültige nach der offenbarten Religion und zogen daraus politische Ansprüche in den Staaten Europas. Der Kapitalismus Ohrenkuss Was ist das? Bewerten Sie diesen Beitrag: Mapping Memories Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond.

Konferenz zur Holocaustforschung Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Themenzeit im Themenraum Themenzeiten: Checkpoint bpb — Die Montagsgespräche Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung — anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

Medienkompetenz Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Für uns jedenfalls nimmt der Flug genau so leicht seinen Lauf, wie er schwer begonnen hat. So strukturiert und zusammenhängend wie heute kenne ich das Wellensystem von Briancon zum Gran Paradiso bisher nicht. In manchen Momenten scheint es zwar, als wären die Wolken um uns herum geschlossen und der Boden restlos unter ihnen verborgen, doch die linienförmigen Löcher und Lücken, die sich in der mehrschichtigen Bewölkung auf unserem Weg auftun, bleiben stets hinter uns geöffnet wie die Schollen hinter einem Eisbrecher im Polarmeer.

Dynamische Meteorologie, so anschaulich und klar, wie wir es noch nie gesehen haben. Manchmal, wenn es einen besonders hohen Wolkenturm zu umfliegen oder ein geschlossenes Wolkenfeld bis zur nächsten Insel mit Bodensicht zu durchqueren gilt, halten wir an und nehmen uns die Zeit, ein wenig zu steigen.

Dann sprechen wir uns ständig gegenseitig verschwörerisch leise, beruhigende Worte zu. Die Stimmung könnte magischer kaum sein. Zwischen und Metern zu bleiben, bedeutet, sogar über einer fast völlig geschlossenen Wolkenlandschaft stets alle Exit-Strategien und Fluchtmöglichkeiten zu haben.

Je eine Option nach unten, nach vorne, zur Seite. Wenn wir aufpassen, wird ein verfrühtes Umkehren nicht nötig sein. Immer wieder fragen wir uns gegenseitig, ob es safe ist, was wir tun. Wenn beide einverstanden sind, wagen wir den nächsten Sprung. Es ist wie durch eine Geisterbahn zu fliegen, in der die Natur sich allerlei für uns einfallen lässt. Es ist nicht einmal besonders kalt in Metern Höhe.

Was für ein riesiges Schauspiel. Wir wenden um Wir sehen schon Boden, also ein bisschen, aber es könnte dort unten auch Grönland oder das versunkene Atlantis sein.

Das einzige was wir wirklich gut sehen können, sind die Wolken, zwischen denen wir umherspringen. Sie formen eigene Berge und Täler, haben Strukturen und Gestalt, so dass es schwer fällt, sie von einer tatsächlichen, realen Landschaft zu unterscheiden, mit Schattierungen und Formen, die sich im Zeitraffer abtragen und aufschieben, anwachsen und erodieren.

Es ist zu verlockend, die Erscheinungen einfach als neue Bodenreferenz zu akzeptieren, doch das würde binnen Sekunden mit dem Wind hinüber in den absteigenden Wellenast führen. Wir bleiben vorsichtig auf dem scheinbar schräg verlaufenden, vorgelagerten Kurs, der uns genau dort hält, wo tief unter uns die Kondensation beginnt, und so kann uns nichts passieren.

Vom Pic de Bure aus tauchen wir gewaltsam mit voller Fahrt unter den Luftraumdeckel vor dem Rosanstal. Grausam ist die Flughöhe für uns hier auf FL beschränkt, gerade einmal Meter. Doch die Berge hier in den westlichsten Ausläufern der Südalpen sind so niedrig, dass wir die schlimmsten Probleme meiden können. Vom Zeitplan zu sprechen, ist eigentlich nicht der Rede wert: Wir sind zwar schnell, aber im Prinzip sind wir immer noch vier Stunden zu spät vom Pic de Bure aus losgeflogen.

Dennoch rasen wir die Linie — von nun an wieder mit Gegenwind — wieder hinauf von Rosans in Richtung Serres. Ich bohre einfach weiter, mit hoher Fahrt gegen den Sturm. Den Bure aggressiv anzufliegen, damit habe ich schon lange kein Problem mehr. Mit dem gesamten Elan der letzten Stunden, in denen wir kaum eine Minute irgendwo liegen lassen mussten, werfe ich mich erstmals wieder zurück unter die Wolken, um vorwärts in den Rotor zu kommen.

In Metern erreichen wir die ersten Wolkenfetzen. Ich presse weiter voran. Es wirft uns wie ein Blatt umher, und immer noch will ich nicht abdrehen. Urplötzlich sehe ich nach links und rechts und begreife: Ich bin wahrscheinlich längst durch geflogen.

Ich bin völlig am falschen Ort. Mit vollen Ruderausschlägen bringe ich den Duo zurück vor den ersten Wolkenfetzen. Wir könnten dort jetzt schon Meter höher sein. Die Turbulenzen werden absurd. Ich schwitze wie verrückt in meiner Höhenausrüstung, mein Atem geht schwer. Darüber reden wir heute Abend. Ich würde jetzt ein Stück direkt nach Osten verlagern und dann gegen den Wind. Dann sind wir schon wieder oben. Wenige Minuten später sind wir wieder im oberen Teil der Troposphäre und beschleunigen erneut.

Immer noch macht uns die Gegenwindkomponente zu schaffen, aber sobald wir über die Champsaur hinaus wieder ins höhere Gelände sehen, tut sich vor uns erneut die Linie auf. Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht ist es im Vergleich zum Vormittag sogar noch feuchter geworden. Oder ich bin müder geworden. Jedenfalls gelingt es uns dennoch irgendwie, wieder einzusteigen, und nach kurzer Zeit finden wir eine Linie, der wir vertrauen können. Die Bedingungen auf Kurs nach Italien sind ähnlich wie auf dem ersten Leg.

Wenn wir so weiter machen, dann werden wir heute genau neunhundert Kilometer fliegen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich dann doch wieder mit dem Rechnen anfange. Dann drücke ich auf dem Oudie umher und verschiebe Punkte, notiere mir Zahlen und beginne einige Kopfrechnungen. Wenn wir so weiter machen wie gerade, dann werden wir heute genau neunhundert Kilometer fliegen. Neunhundert… Es sei denn… was wäre wenn…? Ich habe eine Idee.

Ich lasse Vincent in Ruhe fliegen und überlege selbst, wie und in welchem Moment ich meinen Plan am besten ansprechen soll. Ich glaube, das machen wir. Meinst du, wir sollten das machen? Was ich überlegt habe, ist folgendes: Wenn wir vor der Luftraumgrenze, also schon etwa bei Serres, wenden, dann wäre die Gesamtstrecke zu kurz und wir bräuchten wir einen siebten Schenkel, den uns die Regeln aber nicht erlauben.

Was wäre aber, wenn wir zwar die kurze Wende nehmen, dann aber am Ende nicht in Serres, sondern im 80 Kilometer weiter südlich gelegenen Vinon sur Verdon zu landen? Daher verfassen wir beide die gleiche SMS hinunter nach Serres: Wäre es ok wenn wir bei Sunset mit km in Vinon landen? Ist auch in Ordnung wenn ihr nein sagt!

Vielleicht sollten wir ihnen sagen, dass sie erst los fahren sollen, wenn wir uns endgültig entschieden haben? Und so marschieren wir weiter nach Nordosten, wieder zum Wendepunkt etwa bei Kilometer Die Feuchte hat tatsächlich zugenommen, doch noch immer weisen uns die selben zerbrochenen Lücken vertraulich und geheimnisvoll den Weg, den wir nun schon kennen.

Irgendwie bin ich froh, jetzt gerade nicht allein zu sein. Wir haben jetzt noch knapp vier Stunden bis zum Sonnenuntergang, und es verbleiben noch fünfhundert Kilometer zu fliegen. Das sieht immer noch nicht so gut aus, wie es sein könnte. Doch die Route ist eingefahren, und los geht es auf dem vierten Schenkel wieder hinunter über den Mongenevre und die riesigen Ecrins, den Pic de Bure. Wie geplant nehmen wir dort die maximale Höhe mit, um nicht wie bei der vorherigen Runde unter den Luftraum zu tauchen.

Die Welle des Bure spuckt uns in Metern Höhe nach Südwesten aus, und wenige Minuten später setzen wir die vierte und damit vorletzte Wende des Tages an einem absurden Ort: Fast fünf Kilometer senkrecht über dem Flugplatz Serres. Hier über dem wolkenfreien, niedrigen und offenen Talkessel kommt mir die extreme Flughöhe noch viel unwirklicher vor.

Ich schaue einige Augenblicke lang hinunter und denke darüber nach, dass wir jetzt unsichtbar sind. Unser Flugzeug ist so klein, dass uns in dieser Höhe, in der wir nunmehr seit etwa sieben Stunden fast ständig fliegen, vom Boden aus niemand sehen kann.

Aber wir sind trotzdem da. Und wir sind unglaublich schnell. Eine Gänsehaut läuft mir über den Rücken, und irgendwie bin ich froh, jetzt gerade nicht allein zu sein. Noch ein letztes Mal nach Nordosten in die Domäne der gigantischen Wolken. Das wird jetzt spannend. Zeit, die Superkräfte auszupacken. Als wir uns zum fünften und letzten Mal an diesem Tag auf den Pic de Bure stürzen, piepst am tiefsten Punkt kurz ein Handy.

Sie machen den Anhänger fertig und warten aufs Zeichen zum Losfahren. Die Bodencrew jetzt los zu schicken, würde bedeuten, dass wir in Vinon landen müssen. Das würde ohne die Chance auf Kilometer keinen Sinn machen. Wir dürfen nicht mehr anhalten, wenn wir vor Einbruch der Dunkelheit in Vinon sein wollen. Um 18 Uhr queren wir ein letztes Mal den Col de Cavale.

Was uns dahinter erwartet, wird den Flug entscheiden. Den Steuerknüppel gebe ich nicht mehr aus der Hand — nicht, weil ich es Vincent nicht zutrauen würde, sondern weil dieses letzte Leg nach Nordosten, an dem alles hängt, nun einmal einfach mir gehört. Lange können wir mit der Entscheidung nicht mehr warten. Das langsam fahler werdende Licht und die immer enger werdenden Wolkenlücken neben und unter uns haben es in sich.

Voraus kann ich gar nichts mehr erkennen. Die Uhr läuft, und sie läuft eindeutig gegen uns, während wir nochmal langsam und in weiten Schleifen zurück auf FL steigen.

Ab jetzt dürfen wir nicht mehr anhalten, wenn wir vor Einbruch der Dunkelheit in Vinon sein wollen. Oder fliegen wir doch einfach nach Serres? Aus der neuen Höhe sieht der Weg voraus nicht mehr ganz so düster aus wie noch tausend Meter tiefer.

Ich traue mich nicht, schneller als zu fliegen, während ich der Energielinie folge so gut ich nur kann.

Ich fliege, als hätte ich rohe Eier an Bord, und muss mich ständig zu Entspannungsübungen zwingen. Auf einmal knackt es im Funk: Christoph Schwaiger meldet sich ab, er wird bald in Serres landen.

Es ist Zeit für eine Entscheidung. Ich sehe nach vorne in die dunkle Schlucht, die der Mongenevre zwischen den Wolkenwänden bildet. Kannst du das bestätigen? Dann verlässt er die Frequenz. Und wir müssen vorher noch 30 Kilometer weiter nach Nordosten. Es sind noch zwei, drei Wolkenfladen wie auf Zehenspitzen zu überqueren.

Es ist halb sieben Uhr Abends, und das Licht wird langsam spektakulär, abendlich und etwas bedrohlich. Vor uns, tiefer als wir, auf Gegenkurs. Neugierig recke ich den Hals und scanne angestrengt — dann sehe ich, wie einige hundert Meter unter uns eine Stemme von Nordosten her entgegen schleicht. Im Funk erreiche ich ihn nicht. Von der Uhrzeit her würde es ungefähr passen, aber wo auch immer er da im Norden herkommen mag: Klaus war tiefer als wir, und konnte von da aus ganz normal hierher springen.

Es ist noch gut eine Stunde bis Sonnenuntergang, und unser Zielflugplatz ist etwa Kilometer entfernt. Ich drücke den Knüppel nach vorne und spüre, wie das Gefühl langsam von den Zehenspitzen hinauf steigt. Jetzt nur noch warten und hoffen. Die Varionadel steht wie angenagelt auf Minus vier. Ich atme tief ein und fliege noch ein wenig schneller. Erst ganz langsam, dann immer deutlicher. Es dauert noch fast eine Minute, und dann —. Ich glaube, wir haben es.

Ich gehe im neuen Steigen wieder auf Kurs Nordost und beginne zu rechnen. Wie automatisch folge ich dem schwachen Aufwindband noch ein paar Kilometer nach Norden, solange bis die berechnete Distanz genügt und die Wolken uns von links unten her einzuhüllen drohen.

Es ist kaum auszuhalten, gegen die Zeit, gegen den Wind und mit ständig abnehmender Bodensicht spät abends noch weiter weg zu fliegen, aber rational betrachtet ist alles immer noch in Ordnung. Nach Vinon mit Rückenwind. Jetzt irgendwo bei Oulx noch einmal auf Meter steigen, und dann einfach nur ankommen.

Es ist der längste Endanflug meines Lebens. Ab Briancon steigen die Reserven. Mit dem Beginn der zwölften Flugstunde bricht die Dunkelheit über das Land hinein. Bald liegt Sisteron querab, dann Saint Auban, sogar Puimoisson können wir sehen. Die gesamte Provence lässt sich in einen Blick fassen. Als die Optimierung in der Nav-Box Kilometer anzeigt, strecke ich meine linke Hand umständlich am Panel entlang nach hinten.

Vincent nimmt und drückt. Wir beide wissen um die Bedeutung dieses Momentes, und müssen wieder nicht viel sprechen. Fünf Jahre lang haben wir nun miteinander gearbeitet. Jetzt überfliegen wir gemeinsam die Tausend-Kilometer-Marke. Als wir den Blick vom Mittelmeer am Horizont lösen und endgültig zum Flugplatz eindrehen, verschwindet die Sonne gerade unterm Horizont. Noch immer sind wir sehr hoch und ziehen weite Kreise über dem braunen, sommerlich trockenen Durancetal, während unten in den kleinen, kargen Dörfern die ersten Lichter angehen.

Mit dem Beginn der zwölften Flugstunde bricht die Dunkelheit über das Land hinein, und es wird Zeit, loszulassen. Ich setze die Klappen. Die Nachricht von unserer Kursänderung ist uns bereits vorausgeeilt. Es ist eine herzliche Runde, die genau so erst gestern am Ufer des Sainte Croix in der Sonne gesessen hatte. Wer hätte gedacht, dass wir so schnell wieder zusammen kommen? So fühlt es sich also von hier unten an.

Genau unser Wetter zum Fliegen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht nett aussieht: Lasst mich ein Stück ausholen. Doch das ist alles nicht so einfach.

Es gibt nicht genug Tage. Nutzbarer Föhn ist eben einfach nur zwei, dreimal im Jahr. Und ihr könnt sicher sein: Ich fliege im Doppelsitzer, so viel ich nur kann. Es ist mir auch gar nicht mehr so wichtig. Doch es gibt Tage, die gehören einfach mir. September war ein solcher Tag. Es ist Dienstag, der Sonst ist alles still.

Wenn wir es nicht besser wüssten, wenn wir nicht seit zwei Tagen wie gebannt in jeder freien Minute die Wetterkarten verschlungen hätten — wenn wir es nicht besser wüssten, dann hätten wir uns hier heute nicht blicken lassen. Morgen früh um Du fragst, was ich vor habe. Die Frage hab ich mir selbst auch schon stundenlang gestellt. Um den Fakten einmal ins Gesicht zu sehen: Und deshalb schreibe ich Kilometer aus, ohne Rücksicht auf die Mauern in meinem Kopf, deren Überreste ich noch nicht überwunden habe.

Lektion Eins — Geometrie für Fortgeschrittene. Mein gewöhnlicher Ansatz, schon mehrere Monate alt, sah so aus: Jedoch hat der Tag einen Haken: Das geringste Übel läge immerhin noch in den Eisenerzer Alpen, das Wildfeld oberhalb von Trieben, auch diese Wende von der Erreichbarkeit her schon fraglich, aber durchaus denkbar.

Das möchte ich noch einmal an einem Tag ausprobieren, an dem weniger auf dem Spiel steht. Doch auch wenn die Orographie keine solchen Argumente liefern würde, wäre ein Ostabflug morgens gegen die aufgehende Sonne, gepaart mit einem abendlichen Anflug auf Westkurs gegen die untergehende Sonne, aufgrund der schlechten Sicht im Gegenlicht ein Sicherheitsrisiko, das gerade unter den extremen Bedingungen des Föhnsturmes für mich nicht zur Debatte steht, wenn es sich nur irgendwie vermeiden lässt.

Somit bietet es sich nach allen sinnvollen Gesichtspunkten eher an, den West-Teil zweimal zu befliegen, und dafür die kürzeren Schenkel in Kauf zu nehmen. Der letzte Schenkel streckt sich bis zum Flugplatz St. Ich gebe mir zehn Prozent, dass es funktioniert. Du fragst, was mit den anderen neunzig ist. Ich habe eine Stimme im Ohr, die mir vor dem Abschied zuflüsterte: Zur Not — einfach fliegen.

Ich lasse die Kamera einfach fallen, gehe mit der rechten Hand und dem rechten Bein voll dagegen und kann gerade noch verhindern, dass das Schleppflugzeug aus dem Sichtfeld heraus purzelt. Mit dem Ellenbogen versuche ich, die Kamera zu ertasten und neben meinem Arm sicher zu verstauen.

Noch immer komme ich mit den Rudern alle paar Sekunden an ihre Anschläge. Der Horizont ist noch fast stockfinster. Über dem Kochelsee erwischt uns der nächste Rotor, rauf, runter, links, rechts.

Das Schleppseil hängt bedrohlich durch, ich kreuze die Ruder und versuche die Schwingungen abzubauen. Was die Ordnung in meiner Kapsel angeht: Objekte, die ich schon gestern Abend an verschiedenen Stellen im Cockpit fest gemacht und verstaut habe, fliegen quer durch die Kabine.

Ich habe keine Hand frei, um irgendwas aufzufangen. Ich taste nach meiner Sonnenbrille. Sie ist nicht mehr da, weggeflogen. Die drei Kilometer kosten mich fast Meter Höhe. Im Luv angekommen muss ich sehr nah an die Felsen gehen, um ins Aufwindband zu gelangen. Lektion Drei — Vertraue niemandem. Eine halbe Stunde später schiebt sich das tiefe Becken des Inntals hinter dem Wanneck hervor.

Die Querung des Talkessels von Imst wird umso schwerer, je weiter westlich die Windrichtung ist. Heute stehe ich auf der Querung über Nassereith im Wind und komme nach Westen kaum vorwärts. Es ist mehr West als Süd. Nur damit eines klar ist: Das ist sehr, sehr schlecht, denn dafür gibt es noch kein sicheres Konzept.

Als ich mich der Luvseite der Heiterwand nähere — dem einzigen Hang auf Kurs, der trotzdem noch sinnvoll im Wind steht, spüre ich, wie die Strömung mich nicht an das Relief heran lassen möchte. Ich erhöhe die Fahrt und werfe mich mit hoher Energie direkt an die Wand — eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Einen Ruck spüre ich noch, dann beginnen die Instrumente einfach rückwärts zu laufen.

Es gibt nur eine Möglichkeit, solche Fallen zu parieren: Normalerweise hat man dann aber schon so viele Höhe im Abwind verspielt, dass auch dies nicht viel nutzt. Über der Talmitte sehe ich einzelne, hohe Quellungen in die zerbrochene Stratusdecke eingelagert.

Dort oben könnte man die Welle hinein interpretieren, die wenige Kilometer hinter mir mir voller Gewalt von oben auf die Luvhänge schlägt. Ich quere in einer weiten Schleife das gesamte Tal und finde über dem Fluss gerade mal eine rote Null. Jetzt komme ich nicht einmal mehr vor bis Mils. Endet die Reise schon nach 50 Kilometern? Ich kann auf Anhieb zehn Namen nennen, die im Föhn schon auf der Wiese in Imst landen mussten, und das durchaus schon bei südlicheren Windrichtungen.

Doch hat das heutige Extrem nicht wiederum einen Vorteil, den es normalerweise nicht geht? Das bringt mich zwar nicht weiter auf meinem Kurs, aber wenigstens verschafft es mir Zeit zum Nachdenken. Der Tschirgantgipfel ist die einzige Möglichkeit, im Strömungskanal des Oberinntal bei Westwind sinnvoll Höhe zu gewinnen…. Lektion Vier — Jede Minute zählt, jede Sekunde schmerzt. Das kann doch nicht wahr sein, flüstere ich. Auch die zweite Attacke nach Westen, vom höchsten Punkt des Hangaufwindes aus m nach Westen, gegen den Wind an Imst vorbei, endete nach qualvollen 15 Minuten Pressens gegen den Wind und 15 Kilometern Strecke, erst in der Talmitte kein Rotor, sondern gelegentliche Ausschläge von -2 auf -1 und dann an der Westnase des Laggersberges kein Hangaufwind, sondern 30 Meter Höhenverlust nach 5 Minuten achtern.

Ich predige immer, auf gar keinen Fall an den Laggers zu fliegen, da er trotz seiner vielversprechenden Höhe, Form und Ausrichtung viel zu sehr von den folgenden, noch höheren Rippen hinauf zur Parseierspitze abgeschattet wird.

Doch auf die Vorderseite dieser Rippen kommt man eben auch nicht, ohne vorher irgendwo Höhe gewonnen zu haben. Was soll ich nur tun, frage ich mich, frage ich laut ins Nichts hinein gegen den übermächtigen Wind.

Was soll ich denn machen? Die Stelle ist wie verhext — nichts passt zusammen, nirgendwo organisieren sich die Auf- und Abwinde in einem nutzbaren Muster. Ich probiere es noch ein paar Minuten über verschiedenen Stellen in der Talmitte, aber in drehe ich um: Die Wende fällt schwer, sie tut physisch weh. Den Gedanken, dass die Aussichten auf den europäischen Rekord nach diesem Zeitverlust nun gegen Null gehen, versuche ich erfolglos zu verdrängen.

Wenn die scheinbar unlösbare Situation nicht so unglaublich interessant wäre — wird das Oberinntal zur Endlosschleife oder gibt es trotz allem einen Weg ins Montafon? Wieder oben am Pyramidengipfel des Tschirgant in m angekommen, drücke ich das Flugzeug diesmal nach Südwesten. Ich kann förmlich sehen, wie es mich nach links! Irgendwo zwischen Venet und Ötztaleingang könnte im Talkessel ein Rotor stehen. Und das so früh am Morgen. Es ist doch zum verrückt werden. Lektion Fünf — Es gibt immer einen Weg.

Endlich mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denke ich mir. Mit jedem Kilometer nach Westen wird die Wolkenoptik besser. Deswegen schleiche ich nach drei vorsichtigen Kreisen einfach weiter über das Tal. Laut Rechenmodell und Erfahrung der Schweizer Kollegen kommt man aus diesem Kessel schon immer heraus, entweder im Bereich des Flugplatzes in einer Welle, die einem den Weg weiter nach Westen frei schlägt — oder notfalls unten am Hang des Gonzen, der im Kanal des Rheintals genau angeblasen wird.

Aber so weit soll es gar nicht kommen. Bis Sonnenuntergang sind noch gut neun Stunden zu fliegen…. Über diesen Fakt staune ich seit vielen Jahren jedes Mal aus Neue. Wolkenbänder stellen sich in den Weg, verdecken den Blick auf das Gelände, und man muss sehr weit voraus denken, um nicht plötzlich auf der falschen Seite einer Wellenwolke, dazu noch im falschen Paralleltal, im Handumdrehen den Faden zu verlieren.

Trotzdem streckt sich der Gleitwinkel des Discus ganz automatisch auf fast 1: Hoch über der Heiterwand, deren Falle beim tiefen Anflug früh morgens beinahe das Ende des Fluges bedeutet hätte, mache ich eine seltsame Beobachtung: Ein winziges Flugzeug zieht tief unten im Luv seine Schleifen. Das Flarm-Radar bestätigt mir: Jetzt trägt der Hang. Irgendetwas scheint sich in der letzten Stunde zum Guten verändert zu haben — ein weiterer Beweis dafür, wie nahe im Föhn Misserfolg und Gewinn zeitlich und räumlich aneinander liegen.

Doch es macht Hoffnung für den weiteren Weg. Lektion Sieben — Von Wind und Wildwasser. Auch in den unteren Schichten im Relief hat der Wind seine westliche Richtung, so dass ich weiterhin mit Gleitzahl 1: Das ist die gute Nachricht, und die schlechte zugleich.

Doch der Hangaufwind reicht kaum bis Meter, weil der Luvwinkel so miserabel ist. Immer wieder muss ich mir Zeit zum Steigen nehmen, um bei jeder noch so kleinen Querung hoch genug und ohne Risiko anzukommen.

Eigentlich komme ich auf diese Weise ganz gut vorwärts, aber ich habe keine Vorstellung davon, wie unter diesen Bedingungen der Rückweg aussehen wird. Doch bis dahin sind es noch einige Stunden. Gerade auf diesem Abschnitt des Inntals mischen sich sturzbachartige Luftmassen aus dem Zillertal und vom Brenner herab in den Kanal, der die gesamte Luft unter wildem Schäumen und Brodeln an Kufstein vorbei ins Flachland befördert.

Doch darüber sprechen wir später. Lektion Acht — Zwei Welten. Es hängt immer davon ab, im Bezug auf welchen Ort diese Richtungen gewählt werden. Westlich dieser Linie ist der Einfluss der anrückenden Frontlinie deutlich spürbar. Sturmgepeitschte Wolken demonstrieren eindrucksvoll den chaotischen Verlauf der Luftströmungen, hochreichende Wellen schlagen von oben auf turbulente, instabile Luv- und Leewirbel, und Situationen können binnen Minuten von einem Extrem ins andere überschwingen.

Der Flug im Osten des Föhnbereichs — durch die Kaiserquerung oft schlagartig eingeleitet — lässt in vielen Fällen eine sanfte Ruhe einkehren. Die Front ist noch ausreichend weit entfernt, um dem Föhneffekt Platz für einen oft strahlend blauen Himmel zu überlassen, der die Berge an einem Herbsttag wie dem heutigen in klare, warme und freundliche Farben hüllt. Der Wind nimmt gerne eine Stufe ab, zwar immer noch in Sturmstärke, aber nicht mehr so gewaltsam wie noch vor einer Stunde im Westen.

Wellen — falls noch vorhanden — greifen nicht mehr so gewaltsam ins Geschehen ein, sondern legen sich gerne samtweich über das Gelände, und sogar Thermik kann sich unter günstigen Bedingungen noch helfend einmischen. Da noch dazu die normale Operationshöhe mit dem Gelände absinkt, von Metern auf nurmehr Meter, breitet sich im Cockpit eine angenehme Wärme aus.

Ich spüre, wie die neue Umgebung mir gerade recht bekommt. Der Flug geht jetzt in seine sechste Stunde, es ist höchste Zeit für eine kleine Pause.

Lektion Neun — Kopfentscheidungen und Bauchentscheidungen. In welcher Reihenfolge, mit welcher Priorität man sie anfliegt, welche Abkürzungen man wählt oder sein lässt, wie viel Wert man auf Höheneinteilung legt und an welchen Orten man wie lange zum Steigen anhält, bleibt der eigenen Kreativität überlassen.

An keinem der Berge schaffe ich es, die Felsen weit genug zu übersteigen, um meinem Konzept des oberen Drittels komplett treu zu bleiben — doch noch immer weht der Wind aus bis Grad. Ich versuche, nicht an den Rückweg zu denken, solange es einen Weg voraus gibt. In m — höher habe ich es am Westausläufer des Massivs nicht geschafft — steige ich in die massive Südwand des Dachsteingebirges ein. Zum ersten Mal seit dem westlichen Ast des geteilten Brennerstrahls habe ich Ostwind.

Sonst fühlt sich die Luft über die ganze Wand hinweg tot an. Respektvoll umfliege ich die Seilbahn, deren Drähte enorme Höhen über Grund erreichen. Schnell sind Meter verspielt.

Ich erinnere mich daran, was mir hier vor einigen Wochen mit Maria passiert ist — der gesamte Dachsteinblock wurde vom seichten Föhnwind einfach umströmt, im Westen Ostwind, im Osten Westwind.

Als ich tief unter der Scheichenspitze vorbei um die Ecke biege, bemerke ich, wie die Ground Speed im anhaltenden Sinken langsam ansteigt. Tatsächlich, wieder das gleiche Spiel.

Doch zum Abdrehen ist es auch zu spät. In knapp m lasse ich mich an den östlichen Pfeiler der Dachsteingruppe treiben — endlich hält sich das Vario für ein paar Sekunden über Null. Doch von hier aus zurück zu fliegen, wieder durch das Sinken und die Umströmung, macht auch wenig Sinn. Also taste ich mich langsam weiter.

Ich hebe eine Augenbraue. Es muss einen Grund geben, warum man in Niederöblarn nicht einfach am Grimming ausklinkt, sondern sich fast 15 Kilometer weit weg ziehen lässt.

Doch es ist zu spät, ich bin schon wieder zu tief für einen Rückflug gegen den Wind an den Pfeiler. Ich wage es kaum, den Steuerknüppel zu bewegen. Von hier aus sind es noch 70 km bis zur östlichen Wende, insgesamt noch knapp Kilometer für die Aufgabe. Es ist kurz nach 13 Uhr. Noch bin ich in einer Position, in der es vielleicht ein Zurück gibt….

In dem Moment, in dem ich über den Hauptgrat des Grimming hinweg in m nach Norden sehen kann, ebbt der Aufwind ab. In meinem Kopf rattert und rechnet es. Ich ziehe noch zwei Schleifen ohne Steigen und schaue in alle Richtungen. Am Ende siegt das Argument, dass ich einfach kein gutes Gefühl für einen Weiterflug habe.

Wie automatisch richte ich nach Westen auf und beginne mit dem Rückflug. Der Versuch, einen kontinentalen Langstreckenrekord aufzustellen, ist gescheitert. Lektion Zehn — Zur Not, einfach fliegen.

Sobald ich diese Methode kapiert habe, geht es deutlich besser voran und ich muss kaum noch kreisen. Aufgabe abgebrochen, Rekord verloren. War es wirklich die richtige Entscheidung? Wäre der Wendepunkt noch drin gewesen? Selbst wenn, es hätte mich in dem schwachen Hangaufwind so weit hinter den Zeitplan geworfen, dass es ohnehin nicht geklappt hätte. Aber was, wenn es doch gegangen wäre?

Jetzt ist Ruhe, sage ich laut. Heute ist noch lange nicht vorbei. Können wir jetzt bitte mit dem Fliegen weiter machen? Vielleicht weniger, vielleicht mehr. Einfach fliegen, hat sie gestern Abend gesagt.

Also los, flieg einfach. Ich brauche noch bis zum Steinernen Meer, um das Gedanken-Ping-Pong zu überwinden und die neue Situation ganz zu akzeptieren. Die Hänge tragen so schwach und zahm wie auf dem Hinflug, nur die Querungen kosten durch den Gegenwind jeweils fast die doppelte Höhe, und damit auch fast die dreifache Zeit.

An der schwierigsten Lücke der Region, dem Schuss gegen den Wind zum Hochkönig-Gipfel aus Nordosten, hilft mir eine schwache, sehr enge Welle aus der Patsche, die mich knapp über m trägt. Sie bringt mich auf den Gedanken, was heute Abend noch alles im Westen, im Schweizer Wellensystem, möglich sein könnte…. Knapp 50 Felskilometer weiter westlich — alles fühlt sich an wie gewohnt, nur die Landschaft fährt langsamer vorbei als im Normalfall — traue ich mich dann sogar wieder, mit Zahlen zu arbeiten.

Der Westwind fordert seinen Tribut. In diesem Moment schneide ich beim Abflug von den Loferer Steinberge durch laminares, klar definiertes Steigen. Ich ziehe den Discus in einen engen Kreis und versuche zu holen, was ich kriegen kann. Die Kaiser-Rofan-Lücke liegt noch eine halbe Stunde voraus, aber vielleicht kann ich hier schon mit der Lösung beginnen.

In m Höhe flaut das Wellensteigen ab. Was tun mit diesem willkommenen Kapital? Lektion Elf — Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Auf dem Flug des 4. Einzelne, kaum erkennbare zerbrochene Cumuli wehen über dem Horn und der Hohen Salve. Der Gleitsprung kostet mich tausend Meter Höhe auf 13 Kilometer, aber ich bin immer noch in einer besseren Position, als die Südwand des Kaisers mir je liefern könnte. Zum ersten Mal seit Stunden werde ich wieder von ernsthafter Turbulenz getroffen.

Und dann bricht die Hölle über mich herein. Die Ordnung der Dinge in der Kabine, die schon früh morgens beim Schlepp gnadenlos durch Schütteln umverteilt wurden, gerät nun endgültig aus den Fugen. Das Variometer steht minutenlang entweder am unteren oder am oberen Anschlag, ohne jemals in der Mitte stehen zu bleiben.

Ich wüsste gerne, was hier vor sich geht. Im Luv der letzten sinnvoll geformten Rotorwolke dieser ganzen Linie finde ich schon wieder kein Steigen, sondern nur Turbulenz. Genervt drehe ich nach Norden ab, damit mich das Gelände nicht ganz verschluckt. Ich halte den Knüppel voll gezogen und kann die Fahrt gerade so konstant halten. Nach einem Halbkreis falle ich wieder herunter. Mit vollen Ruderausschlägen dränge ich das Flugzeug in den Rotor der Wildschönau — warum auch immer er genau hier, auf der Nordseite der Wolke steht.

Nach jedem Kreis muss ich eine Ewigkeit gerade aus fliegen, bis die nächste Böe mir wieder das Zentrum anzeigt. Es dauert bestimmt fünf Minuten, bis ich ein Konzept in dem Strudel erkennen kann, um sinnvoll Höhe zu gewinnen. Dann geht alles ganz schnell — in m kann ich über das Zillertal und das Kellerjoch wieder auf die Nordkette zielen.